von Manuel Goldiger, Junior beim Rhein-Club Basel

 

Einleitung

Ein Wasserfahrer fährt nicht Wasser, sondern er fährt mit einem Weidling und dem dazugehörigen Fahrgeschirr wie Ruder, Stachel und "Kreuzchen" (Kreuz).

 

Clubgeschichte vom Rhein-Club Basel

Gründungs Urkunde Am 12. Juni 1883 (vor 114 Joor) wurde im Restaurant „alte Schmitti" der Rhein-Club Basel gegründet. Zu diesem Zeitpunkt besass der Rhein-Club keine eigenen Schiffe, kein Fahrgeschirr und kein Geld. Deshalb war man froh über das Angebot der drei Gründer, ihre eigenen Weidlinge zur Verfügung zu stellten. Schon an der nächsten Versammlung war die Rede davon, dass der Club eigene Schiffe haben sollte. Der Präsident stellte den Antrag einen Weidling zu kaufen. Man bestellte in Mumpf einen Weidling und bezahlte dafür ca. CHF 100.-- (aus Wettkampfgründen kann man heute Weidlinge nur noch im Dreiersatz kaufen für CHF 45`000.-- bis 50`000.--)

 

Voraussetzung zum Wasserfahren

Als wesentlichen Voraussetzung wird von einem jungen Wasserfahrer verlangt, dass er schwimmen kann (es wird keine Rettungs-/Schwimmweste getragen) und Freude am Element Wasser bzw. am Wassersport hat. Ein Wasserfahrer darf nicht vor davor zurückschrecken im Verein einmal mit anzupacken und dabei schmutzige Hände zu bekommen, denn auch das gehört zur Kameradschaft die beim Wasserfahren besonders gross geschrieben wird und speziell beim Wassersport besonders wichtig ist.

Was das Wasserfahren als "Gegenleistung" für die Vereinsarbeiten aber bietet, ist die absolute Verbundenheit mit der Natur, insbesondere mit dem Element Wasser. Wenn man ein paar Jahre bei einem Wasserfahrverein aktiv war, kennt man einiges an Binnengewässern und hat gelernt, ein Gewässer zu beurteilen und die Gefahr die davon ausgeht richtig einzuschätzen.

 

Fahrgeschirr

Man unterscheidet das grössere Fahrgeschirr für den Steuermann und das kleinere Fahrgeschirr für den Vorderfahrer.

 

Der Stachel

Stachel

 

Der Stachel, auch Schalte genannt, dient zur Fortbewegung am Ufer gegen die Strömung und an Seeufern.

Das Ruder

Ruder

 

Das Ruder dient als Fortbewegungsmittel, wenn der Stachel wegen der zu grossen Wassertiefe nicht mehr reicht. Das Ruder empfiehlt sich auch an Orten mit extrem schlammigem Untergrund

 

Das Kreuz

Kreuz

 

Das Kreuz dient als Verbindungs- und Kraftübertragungspunkt zwischen Weidling und Ruder. Es sieht aus wie ein extrem asymetrisch zusammengesetztes Kreuz und wird bei Gebrauch in das am Weidling befestigte Schloss gesteckt. Gegebenenfalls wird das Kreuz noch mit Holzkeilen befestigt.
Im Militär wird nur am Strick gerudert; d.h. ein etwa 80 cm langes Hanfseil, das an einem Ende eine eingespleisste Schlaufe hat, wird von aussen durch ein Loch in der Bordwand geschoben und dient, mit einem Weberknoten zusammengeknotet, als Kreuz.

 

Der Weidling

Weidling

 

Der Weidling ist heute ein doppelwandiges, aus Polyester gefertigtes, Boot. Der mittlere Teil des Weidlings ist fast eben und läuft nach hinten und vorne oberkant bis auf die Höhe der Bordwand aus. Der mittlere Teil des Weidlings ist nur knapp 50 cm hoch. Die beiden Enden sind die höchsten Punkte am Weidling (ca. 85 cm über dem Boden). Der Weidling wird nach vorne und hinten, im Gegensatz zur Breite in der Mitte, schmaler. Auf beiden Seiten sind innen, unter der Weidlingkante, sogenannte Schnürlatten angebracht. Sie reichen vom vorderen Schloss bis auf die Höhe des Hinteren.

 

Langschiffe

Langschiff

 

Langschiffe in Wasserfahrvereinen kennt man seit es Wasserfahrvereine gibt. Sie stammen noch aus der Zeit der Warentransporte auf den Seen und Flüssen. Lediglich die Form wurde leicht den heutigen Bedürfnissen angepasst. Heute gehören sie zum festen Inventar eines grösseren Vereines.
Langschiffe werden in einer Gesamtlänge von etwa 15 Metern gebaut. Langschiffe haben eine Breite von knapp 2,5 Metern und ein Leergewicht von ca. 1600 kg.
Langschiffe fallen wegen ihrer Form unter die Kategorie E (Schiffe besonderer Bauart) der eidgenössischen Schiffahrtsverordnung.

 

Aufgaben der Wasserfahrer

  • Unterstützung der Polizei und Feuerwehr im Katastrophenfall

  • Die Unterstützung der Polizei und Feuerwehr im Katastrophenfall ist wohl die wichtigste Aufgabe aller Wasserfahrer und Pontoniere.

  • Ausbildung von Pontonieren

  • Das Ausbilden von Pontonieren ist die Bundesaufgabe der Wasserfahrer. Bis zur militärischen Aushebung ist das Wasserfahren für alle ein Sport. An der Aushebung kann es aber mitbestimmend für die Einteilung zur Genietruppe sein.

  • "Rhyputzete"

  • Zusammen mit anderen Wassersportvereinen beteiligen sich die Wasserfahrer immer an der "Rhyputzete". Bei der "Rhyputzete" geht es darum, "unseren Bach" von Unrat aller Art zu befreien. Bei Aktionen dieser Art kommen immer wieder die verrücktesten Gegenstände ans Tageslicht.

 

Leitspruch

Dem Wasser zum Trutz -

dem Nächsten zum Schutz

Dieser Leitspruch, der Leitspruch der Wasserfahrer, zeigt heute immer noch, und hoffentlich noch lange, die aktuelle Hilfsbereitschaft der Wasserfahrer. Noch heute ist es ein Privileg, wenn man das Wasser beherrscht und ein Schiff sicher durch die Wellen und Hindernisse auf dem Wasser lenken kann. Einem Steuermann (Hintermann) muss man grenzenlos vertrauen können; er kann, je nach Situation, über Leben und Tot seiner Passagiere entscheiden.