Montag, 24 September 2018
  • Die Sportart mitten in der Stadt
    Tradition seit 1883

Was ist Wasserfahren?

Der Weidling kann alleine oder zu zweit gefahren werden. Zur Fortbewegung wird der Weidling einerseits am Ufer entlang mit dem Stachel am Flussgrund gegen die Strömung abgestossen. Andererseits wird zum Überquerren des Flusses, zur Flussabfahrt oder auf einem See stehend wie ein Gondoliere in Venedig gerudert. Dabei wird das Ruder zum Halten einfach in das Kreuz gelegt, so ist der Ruderer flexibel, um schnelle Manöver ausführen zu können. Der Steuermann steht immer hinten links. Falls zu zweit gefahren wird, steht der Vordermann vorne rechts.

Wasserfahren ist ein gesunder Ganzkörpersport. Ganz selten kommen Sportverletzungen vor. Durch den Wechsel zwischen dem Stachel und dem Ruder werden verschiedene Muskelgruppen trainiert und eine Bewegungsmonotonie ist ausgeschlossen. Stacheln ist zwar einseitig, weil aber am linken und rechten Ufer gefahren und trainiert wird ist auch da der muskuläre Ausgleich gewährleistet. Weil der Weidling entweder durch Wellen oder Gewichtsverlangerungen im Schiff ständig in Bewegung ist, wird das koordinative Gleichgewicht gefordert und trainiert. Wasserfahren ist zudem umwelt- und ressourcenschonend sowie ein ruhiger Sport, welcher auch gemütlich im Einklang mit der Natur und mit viel Musse und Romantik ausgeführt werden kann.

 

Das Sportgerät:

Der Weidling ist ein sogenanntes Flachboot, welches in dieser Art bereits von den Kelten vor über 2000 Jahren gebaut wurde. Der Weidling hat wenig Tiefgang und kann dadurch in seichtem Gewässer genutzt wie gut an Land gezogen werden. Früher wurden diese aus Holz gefertigt. Bei den Wasserfahrern sind die Weidlinge heute hauptsächlich aus Kunststoff und damit langlebiger. Ein Weidling ist 10 Meter lang und ca. 320 Kilogramm schwer. Zum Fahrgeschirr gehört ein Stachel, ein Ruder und ein Rudernagel auch Kreuz genannt. Der Stachel ist eine 2-3 Meter lange flache Holzstange, welche am unteren Ende zwei Eisenspitzen hat. Das Ruder ist aus einem Rundholz mit einem Querholz zum Halten und einem Falchholz, das Ruderblatt, hergestellt und ist ca. 3 Meter lang. Das Kreuz aus Holz wird in eine Halterung gesteckt, damit das Ruder kraftvoll dagegen gedrückt werden kann.

 

Wettkämpfe:

Pro Jahr werden während des Sommers 5-10 Wettkämpfe auf verschiedenen Wettkampfstrecken (Parcours) in der ganzen Deutschschweiz durchgeführt. Die Wettfahren werden entweder als Einzelfahren oder als Paarfahren zu zweit ausgetragen. Damit sich alle entsprechend ihren körperlichen Fähigkeiten fair messen können, starten die Wasserfahrer in 7 verschiedenen Alterskategorien. Die Streckenlänge ist von der Wasserströmung abhängig. Die Wettkampfzeit dauert für die schnellsten Fahrer je nach Kategorie 3-4 Minuten. Darum haben die jüngeren Fahrer eine weniger lange und eine einfachere Wettkampfstrecke zu absolvieren. Der Parcours oder die Wettkampfstrecke umfasst immer folgende Teilabschnitte: Start mit Stacheln am Ufer, Ausfahren und Wechseln zum Rudern, mit dem Weidling um Bojen oder hängende Stangen (Bengel) fahren und zwischen zwei Bojen (Flossgasse) hindurchfahren. Dann eine punktgenaue Landung am Ufer im Bereich von 4m, sowie mit Stacheln bis zum Ziel. Die Fahrzeit der ganzen Strecke wird gemessen. Wenn eine Boje oder Bengel berührt, über- oder falsch umfahren wird, gibt es Zeitzuschläge von 5 bis 15 Sekunden. Das Schöne bei den Wasserfahrern ist, dass nicht nur die ersten Drei eine Auszeichnung (Kranz) erhalten, sondern je nach Kategorie 15 – 25% der in der gleichen Kategorie gefahrenen Wettkämpfer. Bei allen Bewertungsposten (Ausfahrt, Bojen, Bengel, Flossgasse, Landung) stehen zwei Kampfrichter, welche eine faire Beurteilung gemäss dem Wettfahrreglement vornehmen. Nach dem Wettfahren sitzen die Wasserfahrer gerne noch zusammen und fühlen sich dabei wie in einer grossen Familie.

 

 

Beispiel einer Wettkampfstrecke